Keine Schnäppchenjagd auf dem Strommarkt

Keine Schnäppchenjagd auf dem Strommarkt

Nendorper Anbieter von erneuerbaren Energien trotzt der Pleitewelle - »Nicht auf kurzfristigen Gewinn aus«

Während die Liste der deutschen Energieanbieter, die ihre Kunden nicht mehr mit Strom beliefern können oder wollen, immer länger wird, trotzt ein Rheiderländer Unternehmen diesem Trend. Der Nendorper Ökostrom und -gasanbieter ProEngeno, ehemals »Die Strommixer«, wird auch weiterhin seine 10.000 Strom- und 2000 Gaskunden beliefern können.

»Wir sind vertragstreu. Zudem kaufen wir unseren Strom nicht an der Strombörse ein. ProEngeno hat Verträge mit der WEB Wind­energie AG Österreich abgeschlossen«, erläutert Martin Refle, der 2001 zu den Gründern des Unternehmens gehörte. Inzwischen hat Refle zwar seinem Sohn Nils die Geschäftsführung übertragen, aber so ganz loslassen kann der 63-Jährige noch nicht.  

»Wir haben nie den Ehrgeiz gehabt, Bestandteil der zahlreichen Energiediscounter in Deutschland zu sein«, umfasst Simon Ulferts, Assistent der Geschäftsleitung, die Firmenphilosophie. »ProEngeno ist gemeinwohlorientiert und seit seiner Gründung Jahr für Jahr in einem überschaubaren Maß gewachsen«, so Ulferts. Zudem setze man ausschließlich auf alternative Energien. »Unsere Kunden können sicher sein, dass sie zu 100 Prozent mit sauberer, erneuerbarer Energie versorgt werden«, sagt Refle. Beide, Ulferts und Refle, vermuten, dass nicht alle Energiediscounter, die jetzt ihre Lieferverträge kündigen, insolvent sind. Sie glauben, dass einige ihren Strom nun »teuer am Markt verkaufen, um höhere Gewinne zu erzielen«. 

Keiner der derzeit rund 12.000 Kunden von ProEngeno muss nach Angabe der Geschäftsleitung befürchten, dass der Nendorper Energie-Anbieter einseitig Verträge kündigen und die Lieferung von Strom und Gas einstellen wird. »Wir kalkulieren seit vielen Jahre unsere Preise so, dass es auch in dieser heiklen Situation keine Lieferengpässe geben wird«, sagt Martin Refle.

Natürlich würden die derzeit hohen Einkaufspreise für Energie auch an ProEngeno nicht spurlos vorübergehen. »Die explodierenden Strom- und Gaspreise haben natürlich großen Einfluss auf die Entwicklung des Marktes. Weil der stagniert, entwickelt sich das Wachstum unseres Unternehmens  auch nicht so wie in den Jahren zuvor«, sagt Ulferts. Während man Neukunden vor einem Jahr noch einen Strompreis von 26 Cent pro Kilowattstunde habe anbieten können, seien es inzwischen 49 Cent. 

Ein Vorteil sei, dass man bereits 2014 damit begonnen habe, das Unternehmen breiter und somit auch krisenfester aufzustellen. Man konzentriere sich nicht mehr ausschließlich auf das Kerngeschäft der Energieversorgung, sondern biete Anlegern auch die Möglichkeit, sich an der Entwicklung eines weiteren Geschäftsbereiches zu beteiligen, nämlich einer Energie-Genosssenschaft. Nach Unternehmensangaben ist diese Genossenschaft unter anderem an Photovoltaik-Anlagen in Erlangen, Geretsried, Laage sowie in Potshausen und Nendorp und am »Windpark Weener« beteiligt. Vorstandsvorsitzender ist der Ditzumer Torsten Dinkela.

Ein weiteres Geschäftsfeld, das stetig gewachsen ist, bezieht sich auf die Dienstleistung im Lieferantenwechsel und in der Buchhaltung für kleine und mittelständische Energieversorger aus ganz Deutschland. Das Team von ProEngeno besteht inzwischen aus 14 Beschäftigte. Allein mit ihrem Kerngeschäft konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von neun Millionen Euro erwirtschaften. »Das kontrollierte Wachstum unseres Unternehmens, unsere Philosophie der Gemeinwohlorientierung sowie unser regionaler Kundenstamm, der überwiegend aus dem Raum Weser-Ems kommt, sind das Geheimnis unseres Erfolges. Ein Schnäppchenjäger auf dem Strommarkt, der auf kurzfristigen Gewinn aus ist, werden wir nie sein«, sagt Simon Ulferts.

Aus der Rheiderland Zeitung (Rudi Meyer) vom 29.1.2022

Aktuelles | Proengeno | 07.02.2022

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